Der Konfirmationsgottesdienst am 04.07.2021 auf Youtube

Andacht für Zuhause – Karfreitag 2021

Matthäus 27, 31-51

31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. 32 Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug. 33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte, 34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und da er's schmeckte, wollte er nicht trinken. 35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum. 36 Und sie saßen da und bewachten ihn. 37 Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König. 38 Da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken. 39 Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe 40 und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! 41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: 42 Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Er ist der König von Israel, er steige nun herab vom Kreuz. Dann wollen wir an ihn glauben. 43 Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. 44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. 45 Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia. 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die andern aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihm helfe! 50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied. 51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
So heißt es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes.
Ich würde soweit gehen, dass ich es noch anders formuliere.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung jeder Gemeinschaft und jedes Einzelnen.
Allzuleicht könnte man sich sonst rausreden und sagen, dass das ja Aufgabe des Staates sei und eben nicht Aufgabe jeder Gemeinschaft oder auch Aufgabe von mir persönlich.
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Stimmt das denn?
Es scheint mehr eine Beschwörungsformel zu sein, als eine Tatsache.
Wie steht es denn um die Würde des Menschen, wenn er sich befleißigt einen anderen Menschen ans Kreuz zu nageln.
Welche Würde können wir diesen Menschen noch zubilligen, die einen anderen Menschen auf so grausame Art und Weise hinrichten.
Welche Würde können wir den Menschen zubilligen, die auf noch viel grausamere Art und Weise, andere Menschen um ihr Leben bringen, sie foltern, sie misshandeln, ihnen das letzte Bisschen Würde nehmen?
Welche Würde bleibt, dem Menschen am Kreuz aufgehängt?
Welche Würde bleibt den Misshandelten, den Ertrinkenden, den Verhungernden, den Erstickenden?
Leider Gottes, ist die Würde des Menschen sehr wohl antastbar.
Wie sehr, erfahren wir täglich. Die Nachrichten sind voll von Beispielen
Menschen werden einzeln oder in Gruppen oder als Staaten oder auch als Staatenverbund zu „Un-Menschen", zu „Ohne-Menschlichkeit-Menschen" zu „Ohne-Barmherzigkeit-Menschen". Und die auf der anderen Seite, denen die Würde genommen wird oder gar nicht erst zuerkannt wird, werden zu Un-Personen gemacht, es sind dann nur noch Abertausende oder gar Millionen, die auf der Flucht sind, Zahlen eben aber keine Menschen mit Gesicht und Persönlichkeit.
Die auf der Straße sind allenfalls Begleiterscheinungen unserer Gesellschaft, irgendwie „arme Schweine", die auf der Strecke geblieben sind.
Die Uiguren sind allenfalls ein bedauernswertes Grüppchen im Bevölkerungsreichen China. Ja, irgendwie ahnt man, dass da was im Argen ist. Aber ganz so genau will man es nun auch nicht wissen. Wer will sich schon mit dem großen China anlegen. All unsere Handelsbeziehungen sind doch mittlerweile von China abhängig und so schauen wir lieber nicht ganz so genau hin. Vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlimm, wie manche behaupten.
Der Mensch ist auf jeden Fall sehr antastbar.
Die Würde und auch das Leben des Menschen werden angetastet.
Der eine Mensch zeigt sich unmenschlich dem anderen Menschen gegenüber.
Aber wo beginnt eigentlich Menschlichkeit?
Und wo beginnt Unmenschlichkeit?
Kann Menschlichkeit enden?

„Mein Gott, warum hast du mich verlassen?", klagt Jesus.
Klagen wir.
Die Krankenschwester, die alles getan hat um den Menschen auf der Covid-Intensivstation beizustehen, die ist jetzt auch krank. Und es sieht nicht gut aus. Sie hat Menschen getröstet, ihnen gute Worte gesagt, geweint, wenn sie doch gestorben sind, sich unbändig gefreut, wenn sie es nach Wochen geschafft haben. Und jetzt stirbt sie. Das passiert wirklich.
„Mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Und dieser junge Mann, der nicht an Grenzen glauben wollte, Grenzen zwischen Staaten, Grenzen zwischen Menschen, Grenzen zwischen mehr Recht auf gutes Leben und weniger Recht auf gutes Leben, der steckt jetzt im Dreck vor der Grenze und am Ende –wer weiß -verreckt er vielleicht im Dreck vor der Grenze. Das passiert wirklich.
„Mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Und wir können auch nicht einfach in unserer Hilflosigkeit darauf hoffen, es werde schon alles gut werden-
„Alles wird gut."
Es wird nicht alles gut. Vieles ist viel zu schrecklich, als dass es je wieder gut werden könnte. Vieles ist unwiederbringlich kaputt.

Jesus hängt am Kreuz.
Kein Mensch hilft ihm.
Im Gegenteil.
Und Gott hilft auch nicht.
Das passiert wirklich.
Es gibt kein Wunder.
Es ist ein Moment der Dunkelheit.
„Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" sind Jesu letzte Worte.
Laut schreiend haucht er seinen letzten Atem aus.

Und die Welt dreht sich.
Dreht sich einfach weiter.
So denken wir jedenfalls.
So erleben wir es jedenfalls immer wieder.
Menschen werden gefoltert.
Unsere Welt dreht sich weiter.
Menschen werden auf grausame Art und Weise umgebracht.
Unsere Welt dreht sich weiter.
Kleine Babys verhungern, verdursten.
Unsere Welt dreht sich weiter.
Flüchtlinge ertrinken.
Unsere Welt dreht sich weiter.
UNSERE Welt soll sich sich ja weiterdrehen.
UNSER System soll bewahrt werden.
Da sollen die Flüchtlinge hinter den Zäunen bleiben.
Da sollen Kinder verhungern.
Da soll China uns gewogen bleiben und mit uns handeln.
Die Welt, unsere Welt dreht sich einfach weiter.

Aber Halt.
Stop.
So ist es eben nicht.
Die Welt dreht sich nicht einfach weiter.
Der Schmerz ist zu groß.
Die Welt erzittert.
Felsen zerreißen.
Das Unumstössliche, das Felsenfeste zerreißt also.
Das muss zerreißen.
Das sollen wir auch zerreißen.

Am Karfreitag dürfen wir nicht zu schnell auf Ostern blicken.
Am Karfreitag müssen wir zunächst einmal den Schmerz wahrnehmen.
Am Karfreitag müssen wir den Schmerz dieser Welt aushalten.
Am Karfreitag soll uns dieser Schmerz zerreißen.
Der Schmerz dieser Welt.
Der Schmerz Gottes.
Der ja schon längst und immer wieder schreit:
„Mein Mensch, mein Mensch, warum hast du mich verlassen?"
Mit Karfreitag wird das, was bisher „felsenfest" die Würde und die Menschlichkeit des Menschen verhindert, zerrissen.
Mit Karfreitag wird der Weg vom Menschen zu Gott geebnet und der Weg von Mensch zu Mensch. Der Weg zur Gemeinschaft mit Gott und damit auch der Weg zur Menschlichkeit, zur Menschen-Würde im besten Sinne des Wortes.
AMEN

 Andacht für zu Hause zum 28.03.2021

Markus 14

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat

Unheil droht. Aber kaum jemand ahnt etwas davon.
Wer hätte vor zwei Jahren ahnen können, was uns heute seit mehr als einem Jahr bewegt.
Unheil droht und keiner ahnt etwas.
Das hat es immer schon gegeben.
Überall ist das nachzulesen in den Geschichtsbüchern.
Unheil droht und keiner ahnt etwas.
Hier in Markus 14 wird uns ein schönes Bild gemalt.
Ein Heile-Welt-Bild.
Die kleine Welt in Simons Haus scheint in Ordnung zu sein.
Ein schönes, ein friedliches Bild.
Menschen bei Tisch, in vertrauter Gemeinschaft.
Was wir sehen, ist ein offenes Haus, in dem Freunde willkommen sind.
So hätten wir's gern wieder. Wir wollen unsere Häuser wieder öffnen für unsere Familie, für unsere Freunde. Wir wollen miteinander essen und trinken und reden und lachen, vielleicht sogar singen. Wir wollen Ernstes und Lustiges austauschen. Wir wollen uns wohlfühlen.
Doch die Bedrohung ist da.
Das Virus ist da.
Ist immer noch da.
Wir können das nicht wegdiskutieren.
Die „heile Welt" gibt es nicht mehr.
Das wissen wir ja eigentlich schon lange.
Inzwischen ist es unübersehbar geworden.
Die Welt, wie wir sie kannten, ist zusammengestürzt.
Und wenn Welten zusammenstürzen, brauchen wir Hilfe.
Und normalerweise hilft es dann, sich in einer Gemeinschaft zu wissen. Sich von einer Gemeinschaft tragen lassen.
So wie es hier als Bild gemalt wird.
Das Haus. Das Dach über dem Kopf. Die Familie. Das kleine Paradies.
Seltsam ist das schon.
Das Bild beschreibt irgendwie ja auch unsere Situation.
Die meisten von uns sitzen zu Hause.
In ihren eigenen vier Wänden.
In sehr vertrauter Umgebung.
Manche sind allein, andere zu zweit, und wieder andere sitzen mit der ganzen Familie um den Tisch. In jedem Haus geht es anders zu. Die einen kommen gut zurecht, die anderen weniger gut.
Aber bei aller Ähnlichkeit fehlt doch etwas sehr Wichtiges: der Besuch.
In der Erzählung in Markus 14 hat Simon Besuch. Jesus ist da.
Und dann passiert etwas Unerwartetes.
Eine Frau kommt herein. Ohne jede Erklärung und ohne zu zögern geht sie auf Jesus zu und tut, was sie sich vorgenommen hat: sie salbt ihn mit kostbarstem Nardenöl.
Heutzutage würden wir eine solche Szene allenfalls zum Lachen finden.
Damals war es schockierend.
Was für eine Verschwendung.
Aber: Was ist eigentlich Verschwendung?
Ich vermute: wir alle verschwenden täglich eine ganze Menge an Zeit, an Geld, an Energie usw., ohne dauernd zu rechnen, was das kostet.
Aber wie verschwenderisch darf Zuwendung sein? Oder Liebe? Liebe schenkt sich einfach weg.
Was ist Verschwendung?
Und was ist nützlich und vernünftig?
Die großen Werke der Malerei - reine Verschwendung.
Die Matthäuspassion von Bach - welch ein Aufwand.
Alles wahrhaft Schöne - nicht nützlich, nur schön.
Selbst die großen Entdecker und Erfinder hielt man weithin zunächst für solche, die bloß Zeit und Mittel mit ihren verrückten Ideen vergeuden; freilich nur so lange, bis eine breite Masse sich den Wert ihrer Entdeckungen zunutze machte.
Die Geschichte der Menschheit ist auch eine Geschichte von Männern und Frauen, die sich verschwendeten für ein Ziel, eine Vision, eine Hoffnung - oder eben auch für andere Menschen.
Mutter Theresa.
Albert Schweizer.
Dietrich Bonhoeffer.
Ohne derartige „Verschwender", ohne derartige Verschwendung wäre die Menschheit ziemlich armselig dran.
Wir brauchen diese Menschen, die mitten unter uns verschwenderisch mit ihrer Zuwendung umgehen.
Oder was wäre, wenn alle Ehepaare nur nach den Kosten fragen würden, wenn es um die Frage nach eigenen Kinder geht.
Kinder rechnen sich einfach nicht. Jedenfalls nicht ökonomisch.
Leben ist nun mal kein Rechenexempel, Leben ist sich gütlich tun in seinem Leben.
Alle Kosten-Nutzen-Rechnungen verderben das Leben unweigerlich.
Nehmen wir die Präsenz-Gottesdienste in der Kirche.
Rein ökonomisch betrachtet: Welch eine Vergeudung von Mitteln!
Große Gebäude, die fast die ganze Woche leer stehen.
Heizkosten, die Wartung einer Orgel, Chöre, die wochenlang üben für zwei- dreiminütige Darbietungen, teures Personal.
LOHNT sich das? Die paar Leute! Und dazu der Aufwand!
Ja, so könnte man fragen.
Fragt Gott auch so?
Jene Frau in unserer Geschichte handelte ohne Zweckdenken.
Ohne Kosten-Nutzen-Rechnung.
Und eben darin stand sie Gott näher – war sie menschlicher - als alle seine „vernünftigen" Jünger.
Wenn es um wirkliches Menschsein geht, gehen Berechnungen nicht auf.
Ein ehemaliger Kirchmeister dieser Gemeinde, erzählte im Beisein seiner Frau immer gern mit einem Augenzwinkern, dass er ja eigentlich eine „reiche Bauerstochter" heiraten wollte und dann doch (nur) ein „armes Flüchtlingsmädchen" bekommen hat.
Wo die Liebe nun mal hinfällt.
Berechnungen führen da unweigerlich ins Absurde.
Es bleibt in jedem Fall der nicht messbare Mehrwert der liebevollen „verschwenderischen" Zuwendung, die höher ist als alle Vernunft. Davon leben wir. Wir brauchen solche verschwenderische Zuwendung anderer Menschen wie die Luft zum Atmen.
Deswegen heißt es in dieser Erzählung, dass man niemals würde vergessen, was diese Frau getan hat: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Die Frau gibt uns also ein Beispiel.
Ihre Tat soll uns beispielhaft sein.
Nehmen wir uns also ein Beispiel an ihr und seien wir ebenso verschwenderisch mit unseren Zuwendungen für andere. Andernfalls droht „unserer Welt" Unheil.

AMEN

 

 Andacht für zu Hause zum 28.03.2021

Markus 14

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat

Unheil droht. Aber kaum jemand ahnt etwas davon.
Wer hätte vor zwei Jahren ahnen können, was uns heute seit mehr als einem Jahr bewegt.
Unheil droht und keiner ahnt etwas.
Das hat es immer schon gegeben.
Überall ist das nachzulesen in den Geschichtsbüchern.
Unheil droht und keiner ahnt etwas.
Hier in Markus 14 wird uns ein schönes Bild gemalt.
Ein Heile-Welt-Bild.
Die kleine Welt in Simons Haus scheint in Ordnung zu sein.
Ein schönes, ein friedliches Bild.
Menschen bei Tisch, in vertrauter Gemeinschaft.
Was wir sehen, ist ein offenes Haus, in dem Freunde willkommen sind.
So hätten wir's gern wieder. Wir wollen unsere Häuser wieder öffnen für unsere Familie, für unsere Freunde. Wir wollen miteinander essen und trinken und reden und lachen, vielleicht sogar singen. Wir wollen Ernstes und Lustiges austauschen. Wir wollen uns wohlfühlen.
Doch die Bedrohung ist da.
Das Virus ist da.
Ist immer noch da.
Wir können das nicht wegdiskutieren.
Die „heile Welt" gibt es nicht mehr.
Das wissen wir ja eigentlich schon lange.
Inzwischen ist es unübersehbar geworden.
Die Welt, wie wir sie kannten, ist zusammengestürzt.
Und wenn Welten zusammenstürzen, brauchen wir Hilfe.
Und normalerweise hilft es dann, sich in einer Gemeinschaft zu wissen. Sich von einer Gemeinschaft tragen lassen.
So wie es hier als Bild gemalt wird.
Das Haus. Das Dach über dem Kopf. Die Familie. Das kleine Paradies.
Seltsam ist das schon.
Das Bild beschreibt irgendwie ja auch unsere Situation.
Die meisten von uns sitzen zu Hause.
In ihren eigenen vier Wänden.
In sehr vertrauter Umgebung.
Manche sind allein, andere zu zweit, und wieder andere sitzen mit der ganzen Familie um den Tisch. In jedem Haus geht es anders zu. Die einen kommen gut zurecht, die anderen weniger gut.
Aber bei aller Ähnlichkeit fehlt doch etwas sehr Wichtiges: der Besuch.
In der Erzählung in Markus 14 hat Simon Besuch. Jesus ist da.
Und dann passiert etwas Unerwartetes.
Eine Frau kommt herein. Ohne jede Erklärung und ohne zu zögern geht sie auf Jesus zu und tut, was sie sich vorgenommen hat: sie salbt ihn mit kostbarstem Nardenöl.
Heutzutage würden wir eine solche Szene allenfalls zum Lachen finden.
Damals war es schockierend.
Was für eine Verschwendung.
Aber: Was ist eigentlich Verschwendung?
Ich vermute: wir alle verschwenden täglich eine ganze Menge an Zeit, an Geld, an Energie usw., ohne dauernd zu rechnen, was das kostet.
Aber wie verschwenderisch darf Zuwendung sein? Oder Liebe? Liebe schenkt sich einfach weg.
Was ist Verschwendung?
Und was ist nützlich und vernünftig?
Die großen Werke der Malerei - reine Verschwendung.
Die Matthäuspassion von Bach - welch ein Aufwand.
Alles wahrhaft Schöne - nicht nützlich, nur schön.
Selbst die großen Entdecker und Erfinder hielt man weithin zunächst für solche, die bloß Zeit und Mittel mit ihren verrückten Ideen vergeuden; freilich nur so lange, bis eine breite Masse sich den Wert ihrer Entdeckungen zunutze machte.
Die Geschichte der Menschheit ist auch eine Geschichte von Männern und Frauen, die sich verschwendeten für ein Ziel, eine Vision, eine Hoffnung - oder eben auch für andere Menschen.
Mutter Theresa.
Albert Schweizer.
Dietrich Bonhoeffer.
Ohne derartige „Verschwender", ohne derartige Verschwendung wäre die Menschheit ziemlich armselig dran.
Wir brauchen diese Menschen, die mitten unter uns verschwenderisch mit ihrer Zuwendung umgehen.
Oder was wäre, wenn alle Ehepaare nur nach den Kosten fragen würden, wenn es um die Frage nach eigenen Kinder geht.
Kinder rechnen sich einfach nicht. Jedenfalls nicht ökonomisch.
Leben ist nun mal kein Rechenexempel, Leben ist sich gütlich tun in seinem Leben.
Alle Kosten-Nutzen-Rechnungen verderben das Leben unweigerlich.
Nehmen wir die Präsenz-Gottesdienste in der Kirche.
Rein ökonomisch betrachtet: Welch eine Vergeudung von Mitteln!
Große Gebäude, die fast die ganze Woche leer stehen.
Heizkosten, die Wartung einer Orgel, Chöre, die wochenlang üben für zwei- dreiminütige Darbietungen, teures Personal.
LOHNT sich das? Die paar Leute! Und dazu der Aufwand!
Ja, so könnte man fragen.
Fragt Gott auch so?
Jene Frau in unserer Geschichte handelte ohne Zweckdenken.
Ohne Kosten-Nutzen-Rechnung.
Und eben darin stand sie Gott näher – war sie menschlicher - als alle seine „vernünftigen" Jünger.
Wenn es um wirkliches Menschsein geht, gehen Berechnungen nicht auf.
Ein ehemaliger Kirchmeister dieser Gemeinde, erzählte im Beisein seiner Frau immer gern mit einem Augenzwinkern, dass er ja eigentlich eine „reiche Bauerstochter" heiraten wollte und dann doch (nur) ein „armes Flüchtlingsmädchen" bekommen hat.
Wo die Liebe nun mal hinfällt.
Berechnungen führen da unweigerlich ins Absurde.
Es bleibt in jedem Fall der nicht messbare Mehrwert der liebevollen „verschwenderischen" Zuwendung, die höher ist als alle Vernunft. Davon leben wir. Wir brauchen solche verschwenderische Zuwendung anderer Menschen wie die Luft zum Atmen.
Deswegen heißt es in dieser Erzählung, dass man niemals würde vergessen, was diese Frau getan hat: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Die Frau gibt uns also ein Beispiel.
Ihre Tat soll uns beispielhaft sein.
Nehmen wir uns also ein Beispiel an ihr und seien wir ebenso verschwenderisch mit unseren Zuwendungen für andere. Andernfalls droht „unserer Welt" Unheil.

AMEN

 

 Andacht für zu Hause zum 21.03.2021

Matthäus 20, 20-28

Da trat zu ihm die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Er sprach zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater. Als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.

Liebe Gemeinde,
es ist für uns Menschen sehr wichtig, dass wir unsern Platz im Leben finden.
Das fängt schon im Kindesalter an. Wo ist mein Platz in der Familie? Welche Nische kann ich da ausfüllen? Das geht im Kindergarten und der Schule weiter. Dann geht es weiter, wenn es um die Berufsfindung geht. Was will ich mein ganzes Leben lang machen, jedenfalls mein ganzes Arbeitsleben? Was macht mir Freude? Was bringt mir nicht nur ein volles Gehaltskonto, sondern vielleicht sogar eine Sinnerfüllung.
Was ist mein Platz im Freundeskreis? Wo ist mein Platz, wenn es um eine eigene Familie geht? Wie ist das, wenn ich schon älter geworden bin?
Kurzum: wir haben unser Leben lang damit zu tun, unseren jeweiligen Platz zu finden und zu halten. Und es liegt in der Natur der Sache, dass die besten Plätze die begehrtesten sind.
Wir mühen uns um gute Plätze.
Wir kämpfen gelegentlich um gute Plätze.
In der Politik nennt sich das dann Wahlkampf.
2021 das Superwahljahr.
Die ersten Wahlen sind bereits entschieden.
Einige freuen sich über die Plätze, die sie errungen haben.
Andere sind schwer enttäuscht und haben Angst um die bei den nächsten Wahlen zu vergebenen Plätze. Und dementsprechend geben sie sich kämpferisch.
Müssen wir um unsern Platz im Leben kämpfen.
Manchmal kann man den Eindruck gewinnen.
So funktioniert halt unsere Gesellschaft.
So ist das Leben nun mal.
Ist so das Leben? Geht es so zu im Leben?
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst?
Den Letzten beißen die Hunde?

Ich glaube nicht.
Jedenfalls möchte ich so nicht Leben.
Das soll nicht mein Lebensmotto sein.
Da mach ich nicht mit.
Und Jesus macht auch nicht mit.
Wenn wir die Geschichte aus Matthäus 20 wörtlich nehmen, dann streben die Söhne des Zebedäus auch ganz besondere Plätze im Himmelreich an.
Ihre Mutter bittet für sie.
„Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken."
„Könnt ihr den Kelch trinken, den ich zu trinken habe?"
„Ja, das können wir."
Können wir das?
Wir müssen es jedenfalls.
Immer wieder werden wir als einzelne, aber auch als ganze Gesellschaft, in Situationen getrieben, es ereilen uns Schicksalsschläge, die wir kaum aushalten können. Situationen und Notlagen, die eigentlich zu schwer für uns sind, denen wir aber einfach nicht ausweichen können.
„Ihr werdet meinen Kelch trinken.", sagt Jesus.
Und wir haben den Kelch des Leids immer wieder zu trinken.
Ob wir nun wollen oder nicht.
Wir trinken aus diesem Kelch.
Aber das bedeutet nun keinesfalls einen Ehrenplatz.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Und demjenigen gebührt Ehre, deranderen dient und gibt.
„Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe."
So ist das Leben. Das Leben, dass sich Gott für die Menschen gedacht hat. Da soll der Eine der Anderen dienen. Da soll die Eine dem Anderen geben.
So wird Leben zu Leben. So ist es gut. Und so überhaupt erst wird es ein wahres Leben. So lebt es sich im Reich der Himmel.
Amen.

 Andacht für zu Hause zum 14.03.2021 – Lätare

Johannes 14, 24:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Manche Worte machen für sich genommen auf den ersten Blick keinen Sinn.
Ein Beispiel dafür ist das Wort „Lichtverschmutzung".
Licht und Verschmutzung, wie soll das zusammenpassen?
Licht ist doch nicht schmutzig.
Und Licht ist doch auch nicht schlecht.
Im Gegenteil. Wir brauchen doch das Licht mindestens so wie die Luft zum Atmen.
Ja, das stimmt. Licht tut uns gut und wir brauchen Licht zum Leben, auch für unser Wohlbefinden.
Ja, wir brauchen das Licht. Aber genauso brauchen wir auch die Dunkelheit.
Beides brauchen wir zum Leben. Das Licht und die Dunkelheit.

Bei dem Wort „Lichtverschmutzung" geht es also um zu viel Licht. Es geht also um das vom Menschen künstlich erzeugte Licht.
Zu viel Kunstlicht kann auf Dauer krank machen, sagen Schlafforscher. Insbesondere das blaue, kalte Licht der LEDs von Leuchtreklamen und moderner Straßenbeleuchtung, aber auch von Fernsehern, Handys oder Laptops wirkt auf uns wie Tageslicht und hält uns wach. Denn nur in Dunkelheit produziert unser Körper das Schlafhormon Melatonin. Ohne Dunkelheit leben wir gegen unsere innere Uhr und schlafen zu wenig. Wir können uns nicht ausreichend erholen, unsere Zellen sich nicht genügend regenerieren.
Auch in der Tierwelt ist zu viel Licht mehr als schädlich.
Nachtaktive Vögel und Insekten werden in ihrem Rhythmus oder bei der Orientierung gestört.
Nachtfalter etwa, werden eigentlich durch das Mondlicht angezogen, weil ihnen der Mond Orientierung gibt. Nun werden sie von künstlichen Lichtquellen angezogen wie etwa den Straßenlaternen. Diese Kunstlichter umkreisen die Falter buchstäblich bis zur totalen Erschöpfung - bis zum Tod.

Zu viel Licht ist also geradezu tödlich.
Aber zu wenig Licht ist genauso tödlich.
Wir brauchen beides. Licht und Dunkelheit. Dunkelheit und Licht.

Heute am Sonntag Lätare - zu Deutsch: Freue dich! – stehen wir mitten in der Passionszeit.
Manche nennen diesen Sonntag Lätare auch „das kleine Ostern".
Natürlich wird auch an diesem Sonntag an den Leidensweg Jesu und sein Sterben am Kreuz erinnert. Aber heute, mittendrin, leuchtet schon einmal ein anderes Licht auf: Das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, bringt viel Frucht.
Mitten in der Dunkelheit ein Licht. Mitten im Leidensweg Lebensverheißung pur.
Seht euch das Weizenkorn an.
Wenn es ausgesät wird, liegt es zunächst einmal einfach nur in der dunklen Erde. Nichts deutet darauf hin, dass sich daran etwas ändern könnte.
Und doch ist es so.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Daran sollen wir mitten in der Passionszeit denken. Daran sollen wir mitten in der Dunkelheit denken. Im Leben mag sich alles nur dunkel anfühlen. Im Leben mag uns alles gerade nur schwer erscheinen. Zurzeit mag sich das Leben so gar nicht recht nach Leben anfühlen. Es mag sich gar eher nach absterbenden Leben anfühlen, als nach blühendem Leben, Leben in Fülle.
Ja, das ist so. Aber trotzdem: Lätare! - Freue dich! Leben ist uns verheißen. Leben wird wieder sein. Leben in Hülle und Fülle. Vielfältiges, fröhliches Leben.
Noch ist davon nichts zu sehen, aber seht euch das Weizenkorn an, das in die Erde gelegt wird. Der Landwirt, der sein Feld bestellt hat und das Korn gesät, oder der Hobby-Gärtner, der ein paar Pflänzchen zieht, klagt ja nicht darüber, dass er das Samenkorn nun nicht mehr hat, sondern freut sich auf neue Pflanzen, neues Leben.

Und neues Leben gibt es nur, wenn altes Leben abstirbt.
Das ist schon im menschlichen Körper zu beobachten.
Zwischen zehn und 50 Millionen Körperzellen baut der menschliche Körper pro Sekunde ab und ersetzt sie durch neue Zellen. Rein rechnerisch sind wir alle sieben Jahre ganz neue Menschen. Wir sterben um zu leben.
Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die alten Zellen nicht sterben würden und immer nur neue Zellen produziert würden.
Nicht auszudenken, wie unsere Erde aussehen würde, wenn immer nur neue Lebewesen geboren werden würden, aber kein Lebewesen mehr sterben würde.

Leben kann es nur geben, wenn es auch Sterben gibt.
Neues Leben kann es nur geben, wenn altes Leben sozusagen geopfert wird.

Zurzeit bringen wir eher unfreiwillige Opfer.
Wir sind die Einschränkungen durch die Pandemie längst satt.
Aber wer weiß, vielleicht lässt uns das Gleichnis vom Weizenkorn, das sterben muss, damit Leben in Fülle entstehen kann, jetzt auch nachdenklich werden.
Vielleicht fangen wir an nachzudenken, welche Dinge und Selbstverständlichkeiten unseres Vor-Pandemie-Alltags zum Sterben bestimmt werden können, damit ein ganz neues Leben, ein Leben in neuer Fülle möglich wird.
Man nennt unsere Gesellschaft ja auch eine VERBRAUCHER-Gesellschaft.
Unsere Gesellschaft ver-braucht diese Erde. Dabei brauchen wir doch diese Erde als Lebens-grundlage.
Nicht zuletzt durch die Fridays-for-future-Bewegung ist uns doch längst klar, dass der Raubbau an unserer wunderbaren Schöpfung nicht immer so weitergehen kann und der kritische Punkt schon lange überschritten ist.
Wer alles verbraucht, hat keine Zukunft.
Wir nehmen uns selbst und den Kindern und Enkeln und Urenkeln und allen weiteren Generationen die Zukunft, wenn wir die Ressourcen der Schöpfung nur verbrauchen und nicht bereit sind bisherige Alltagsgewohnheiten sterben zu lassen.
Vielleicht ist diese Coronapandemie ja ein Stolperstein für uns, so dass wir überdenken können, was in unserem Leben wirklicher Verlust oder Gewinn ist, was Leben verlieren und was Leben gewinnen heißt, was wir sterben lassen können, um Platz für frisches erneuertes Leben zu machen.
Wer nur für sich festhalten und klammern will, dem geht es am Ende wie einem Samenkorn, das in der Verpackung bleiben will und lediglich verkümmert.

Manche Worte machen für sich genommen keinen Sinn.
So das Wort „Lichtverschmutzung". Doch wenn wir nachdenken, entdecken wir sehr schnell, dass zu viel Licht schädlich für uns ist.
Manche Sätze machen für sich genommen keinen Sinn. So etwa ein Satz Jesu in
Matthäus 16, 25: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren."
Für sich genommen mag dieser Satz keinen Sinn machen, aber, wenn wir darüber nach-denken, entdecken wir sehr schnell, dass „nur das eigene Leben retten wollen" insgesamt Lebensverlust bedeuten wird.

Ich möchte aber keinen Lebensverlust.
Ich möchte Lebensgewinn.
Und so frag ich mich, was kann ich aus meinem „alten" Leben hergeben – und ich glaube, dass da so einiges ist, was ich durchaus hergeben kann und sollte -, sodass, wie in dem Gleichnis von dem Weizenkorn, das in die Erde fällt, neues Leben entstehen kann. Leben in Fülle.

Heute ist der Sonntag Lätare - zu Deutsch: Freue dich!
Mitten in der Dunkelheit ein Licht. Mitten im Leidensweg Lebensverheißung pur.
Seht euch das Weizenkorn an.
Wenn es ausgesät wird, liegt es zunächst einmal einfach nur in der dunklen Erde.
Nichts deutet darauf hin, dass sich daran etwas ändern könnte.
Und doch ist es so.

AMEN