Monatslied

Monatslied Oktober 2017

EG 341: Nun freut euch, lieben Christen g’mein

EG 341: Nun freut euch, lieben Christen g'mein

Passend zur 500sten Wiederkehr des Thesenanschlags, mit dem die Reformation begann, haben wir als Monatslied eines der ganz wichtigen Lieder der Reformation.
Unser Monatslied ist das erste Gemeindelied, das Luther verfasste. In diesem Lied, von dem Luther sowohl den Text als auch die Melodie schrieb, drückt er seine ganze Freude über die Wiederentdeckung der frohen Botschaft aus. Fröhlich springen soll die Gemeinde vor Lust und Freude über die süße Wundertat Christi.
Das ist die Entdeckung, das ist das Lebensgefühl der Reformation: Die unbändige Freude darüber, dass Christus wirklich alles für uns getan hat, um uns mit Gott zu versöhnen. Wir brauchen keine Angst mehr zu haben vor Teufel, Sünde und Tod.
Die Strophen 2 und 3 schauen zurück: „Dem Teufel ich gefangen lag", weil die Sünde mich ganz besessen hat. Das „Ich", das sich hier zu Wort meldet, ist wohl das „Ich" der ganzen Gemeinde. Jedem Einzelnen geht es so: „Dem Teufel ich gefangen lag". Unter der Herrschaft der Sünde galten meine guten Werke nichts mehr, sie waren von Grund auf verdorben. Dem drohenden Gericht Gottes ging „ich" entgegen. „Die Angst mich zur Verzweiflung trieb". Da gab es keine Hoffnung mehr. „Ich" ging dem zürnenden und richtenden Gott entgegen. Und das konnte ja nur heißen: „zur Hölle musst ich sinken".
Kam in den Strophen 2 und 3 der verzweifelte Mensch zu Wort, so reagiert in dem Strophen 4 und 5 Gott selber auf die Verzweiflung des Sünders: Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen. Er dacht an sein Barmherzigkeit und wollt mir helfen lassen. Gott richtet nicht, er straft nicht. Gott ist barmherzig und will mir helfen lassen. Das ist die neue, wunderbare und froh machende Entdeckung Luthers: Christus hat den Tod in seinen tausend Gestalten für mich erwürgt. Ich brauche keine Angst mehr zu haben vor Gott und seinem Gericht.
Wie kam dieser Wechsel vom richtenden Gott zum barmherzigen Vater zustande? Um meine Sünde zu decken, hat der Vater sein Bestes gegeben: seinen lieben Sohn, seines Herzens werte Kron. Der hat für mich den bittern Tod erwürgt.
In den Strophen 6 bis 10 wird erzählt, wie der Sohn den bittenden Befehl des Vaters ausgeführt hat. Hier wird der ganze Weg Christi von der Menschwerdung bis Pfingsten beschrieben. Das alles ist gedichtete und gesungene Dogmatik, in jedermann verständlicher Sprache. In Strophe 8 ist das vorher Gesagte auf den Punkt gebracht. Der Sohn, die werte Kron des Vaters, spricht: „Mein Unschuld trägt die Sünde dein, da bist du selig worden".

E.H. Prinz

Monatslied September 2017

EG 648: „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“

EG 648: „Wir haben Gottes Spuren festgestellt"

Mit der Übersetzung des französischen Liedes von Michel Scouarnec aus dem Jahre 1973 ist Diethard Zils im Jahre 1981 ein bewegender Text gelungen. Das Lied erfreute sich in der Jugendszene sehr bald großer Beliebtheit.

Diethard Zils, geboren 1935 in Bottrop, ist Dominikaner. Er lebt zur Zeit im Dominikanerkonvent in Mainz. Der Priester und Autor wirkte mehrere Jahre in der Hauptstelle für für Jugendseelsorge in Düsseldorf. Danach lebte er für einige Zeit in Bosnien unter der Minderheit der Kroaten und der Mehrheit der Muslime. Nach der Zeit in Bosnien war er in der Internationalen Gemeinschaft der Dominikaner in Brüssel.

Einige seiner Gedichte und viele seiner Liedtexte und Meditationen wurden veröffentlicht. Daneben hat er zahlreiche Liedtexte und Gebete aus dem europäischen Sprachraum ins Deutsche übertragen. Darunter ist auch unser Monatslied.

Die Melodie des Monatsliedes komponierte der Grieche Jo Akepsimas. Geboren 1940 in Athen, lebt er seit 1958 in Frankreich. Seit seinem 28. Lebensjahr widmete er sich ganz der gottesdienstlichen Musik. Er arbeitete mit vielen bekannten Dichtern zusammen; unter anderen auch mit Michel Scouarnec. Akepsimas ist Autor zahlreicher „Neuer geistlicher Lieder" und Kinderlieder.
Ein zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Musik für Kinder. Dabei stehen religiöse und katechetische Lieder im Mittelpunkt.

Unser Monatslied ist ein Lied vor allem für junge Menschen. Das Lied lebt von dem am Ende jeder Strophe wiederholten Kehrvers, der die Hälfte des Liedes ausmacht. Der Kehrvers beginnt mit der bedauernden Feststellung, dass wir nur in längst vergangenen Tagen Zeichen und Wunder gesehen haben. Aber da ist auch die Gewissheit, dass Gott auch unsere Wege mit uns gehen wird, auch wenn unsere Wege nicht immer seine Wege sind. Ja, es gibt diese berechtigte Hoffnung: Gott wird uns durch das Leben tragen. Welch eine Hoffnung!

Von dem Kehrvers her sind wohl auch die Strophentexte zu begreifen. Da, wo wir in der kalten Welt Liebe und Wärme und Hoffnung über den Tag hinaus erlebt haben, da haben wir Gottes Spuren festgestellt.
Wo wir unvermutet blühende Bäume gesehen, wo Sklaven unbeschadet durchs Wasser gehen und die Herren darin umkommen, da haben wir etwas von Gottes Nähe in der kalten Welt wahrgenommen.
Da, wo Bettler und Lahme tanzen vor Freude, wo durch finstere, tote Fensterhöhlen ein Glanz bricht, da überall erleben wir Zeichen und Wunder in unserer heutigen Zeit. Die Zeichen und Wunder, die wir erleben, geben uns die Hoffnung: Gott wird uns durchs Leben tragen.

E.H. Prinz

Monatslied August 2017

Psalm 97 B: Jauchzt, Himmel, Erde, Meer

In der Lutherbibel trägt der Psalm die Überschrift: „Freude am Königtum Gottes". Das Königtum Gottes wird in den Versen 1-7 anschaulich gemacht durch Wetterphänomene, die den König der Könige preisen. Die Verse 8-9 erzählen von der Freude Zions und der Töchter Judas über das Königsein Gottes auch über alle Götter. Die Verse 10-12 führen aus, was das Königtum Gottes für die Glaubenden bedeutet.

Diese Intention des Bibelpsalms hat Alfred Rauhaus (geb. 1945 in Langendorf, Tschech.; ab 1991 Theologischer Rat unserer Kirche) in seiner Neubereimung von 1993 sehr schön zum Ausdruck gebracht. Bei ihm wird daraus das Lied einer großen und wunderbaren Hoffnung. Himmel, Erde, Meer sollen sich nicht nur freuen, nein, sie sollen jauchzen, denn der Herr ist König. Die Inseln sollen singen und die Erde soll tanzen und springen. Ich sehe vor mir eine freudig bewegte Schöpfung, in der jetzt sogar Gewölk und Dunkelheit ihre Schrecken verloren haben. Selbst sie sind zum Dienst bereit. Aber der innere Kern von Gottes Königtum ist Recht und Gerechtigkeit.

Die zweite Strophe setzt zunächst den Gedanken der bewegten Schöpfung fort. Aber dann kommt eine Wende: Der Herr kommt zum Gericht. Er hat die Mächtigen der Welt „einbestellt", um Rechenschaft von ihnen zu fordern. Und er, der Herr und König, spricht ihnen das Urteil.

Die dritte Strophe ist als Gebet verfasst. Das All und die Völker verkünden Gottes Werke – nämlich Gerechtigkeit und Stärke. Der Gottvergessene kann angesichts dieser machtvollen Offenbarung Gottes nur sein Haupt neigen und schweigen. Aber Zion, - Zion freut sich sehr! Endlich wird auch Gottes Volk Recht und Gerechtigkeit zuteil. Was für eine Hoffnung!

In der vierten Strophe ändert sich noch einmal die Sprechrichtung. Jetzt sind die angesprochen, die dem Herrn vertrauen. Ihre Aufgabe ist der dankbare Lobpreis Gottes. Der Vers und der Psalm enden mit der Segenszusage für alle, die auf den Wegen des Herren aller Herren gehen und bleiben. Am Ende steht dann heute schon der Trost für alle Leidgeprüften:, „Der über euch stets wacht, kommt in der Leidensnacht als euer Freudenquell und macht den Tag euch hell". Und daraus folgt für die, die auf seinen Wegen gehen: „Lobsinget seiner Macht"!

Die Melodie ist aus dem Jahr 1562. Sie ist genommen aus dem reichen Schatz der Genfer Psalmenmelodien.
E.H. Prinz

Monatslied Juli 2017

EG 514: Gottes Geschöpfe, kommt zuhauf!

EG 514: Gottes Geschöpfe, kommt zuhauf!

 

Unser Monatslied findet sich als vorletzes unter der Rubrik „Natur und Jahreszeitenlieder“  im EG.

Inhaltlich ist unser Monatslied angelehnt an den nach neuerer Forschung wieder Franz von Assisi (1181-1226) zugeschriebenen „Sonnengesang“. Dieser Lobgesang ist so etwas wie ein letztes Vermächtnis dieses markantesten christlichen Vorbilds. Denn dieser wunderbare Lobgesang ist sein letztes Lied vor seinem Tod. Der Lobgesang des wunderbaren und wundersamen Heiligen hat viele Nachdichtungen und Vertonungen erfahren.

Eine dieser Nachdichtungen ist die englische Neufassung des Sonnengesangs, die mit den Wort „All creatures of our God and king“ beginnt. Der anglikanische Pfarrer William Henry Draper (1885-1933) veröffentlichte seine Neufassung des Sonnengesangs im Jahre 1926. Draper verfasste viele Kirchenlieder und gab zwei große Sammlungen geistlicher Lieder heraus.

Der deutsche Alttestamentler Karl Budde (1850-1935) lernte wahrscheinlich bei einem Englandbesuch die siebenstrophische Fassung mit verstärkenden Hallelujas, der Erwähnung von Jesus Christus in den Strophen 6 und dem trinitarischen Schluss in Strophe 7 schätzen und lieben. Das veranlasste Budde 1929, die vorliegende Form ins Deutsche zu übertragen. Karl Budde war Professor für Altes Testament, Mitglied des Gesangbuchausschusses und betätigte sich als Übersetzer niederländischer Lieder. Nebenher gab er auch noch ein „Hebräisches Schulbuch“ heraus.

Die Melodie von EG 514 ist ebenfalls aus der englischen Vorlage übernommen. Der Verfasser der eingängigen  Melodie ist allerdings unbekannt. Die Melodie findet sich zuerst im Kölner Gesangbuch von 1623 „Auserlesene Catholische Geistliche Kirchengesäng“.

Inhaltlich ist das Lied bestimmt und geprägt durch das „Halleluja“, das 35-mal erklingt. In jeder der sieben Strophen wird es fünfmal gesungen.

Im Unterschied zu Franziskus beziehen Budde wie auch schon Draper neben Gott auch Jesus Christus und den Heiligen Geist mit ein. Es lohnt sich dieses fröhliche Lied im Gottesdienst zu singen, auch wenn die verwendeten Bilder oft nicht stimmig sind. Auch Professoren greifen manchmal in der Wahl der Bilder daneben. Was aber bleibt, ist ein fröhlicher Lobpreise Gottes, der auch aus schiefen Bildern sein Lob hört und annimmt.

Monatslied Juni 2017

Psalm 61 B

Die Verfasserin unseres Monatsliedes – Edith Stein -hat einen sehr ungewöhnlichen Lebenslauf.

Edith Stein (geb. 1891), jüngstes von elf Kindern jüdischer Eltern, war Tochter eines wohlhabenden Holzhändlers. Der Vater starb sehr früh. Ediths Mutter war eine fromme Jüdin. Edith, ihr jüngstes Kind, war ihr Liebling. Aber Edith – intelligent, hochbegabt und sehr eigenwillig – machte der alleinerziehenden Mutter nicht nur Freude. Edith gab schon mit 15 Jahren und bewusst ihren traditionell-jüdischen Glauben auf und bezeichnete sich selbst als Atheistin.

Nach dem Abitur studierte Edith Geschichte und Germanistik. Aber ihr Interesse galt der Philosophie. In Philosophie schrieb sie auch ihre Doktorarbeit. Als jüdische Frau konnte sie damals nicht Professorin werden und an der Universität bleiben. Verbittert arbeitete sie von 1922 bis 1933 als Lehrerin und setzte sich in Reden und Schriften für Frauenrechte ein. Im Kreis der Freundinnen galt sie als verschlossen und gab nicht viel von sich selber preis.

Ihre leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit führte sie zu Religionsfragen. Im Christentum fand die Jüdin schließlich eine Antwort auf ihre Fragen. Zum großen Kummer ihrer Mutter ließ sich Edith im Jahre 1922 katholisch taufen. Ihr sehnlichster Wunsch war es, in den strengen Orden der Karmeliterinnen aufgenommen zu werden. Mit Rücksicht auf die Mutter vollzog sie diesen Schritt aber noch nicht.

Nach der NS-Machtergreifung durfte sie ihre wissenschaftlichen Arbeiten als Dozentin am Lehrstuhl für wissenschaftliche Pädagogik in Münster nicht mehr veröffentlichen. Nun schien die Zeit gekommen, um nur noch für den Glauben zu leben. Sie trat in Köln als Nonne in den Orden der Karmeliterinnen ein. 1935 legte sie die Gelübde ab und wählte den Ordensnamen Teresia Benedicta a cruce (Teresia die Gesegnete vom Kreuz). Ihre Familie war entsetzt über diesen Schritt und fühlte sich verraten in dieser Zeit der Verfolgung und der Vernichtung der Juden. Aber Edith hatte nie aufgehört, sich dem jüdischen Volk zugehörig zu fühlen. Mehrfach, aber vergeblich versuchte Edith Stein den Papst Pius XI. zu einer Enzyklika gegen die Judenverfolgung zu bewegen.

Um den Orden in Köln nicht zu gefährden, floh sie in ein Kloster in den Niederlanden. Aber auch hier war sie ihres Lebens nicht mehr sicher. Sie wurde zusammen mit vielen niederländischen Jüdinnen von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz verschleppt und ermordet.
Bis zuletzt stand sie anderen Mitgefangenen bei. Ihren Tod nannte sie „ein Sühnopfer" für ihr Volk. Im Jahre 1976 wurde sie anlässlich eines Deutschlandbesuches von Papst Johannes Paul II. selig und 1998 heilig gesprochen. Ihr Leben lang hat Edith Stein versucht, eine Brücke zu bauen zwischen Judentum und Christentum, Religion und Philosophie, zwischen erlebtem Glauben und tätiger Nächstenliebe.

Warum ihre Bereimung von Psalm 61 unter Psalm 61 B (und noch mal im landeskirchlichen Teil unter EG 619) in unser EG gekommen ist, weiß heute nicht einmal mehr Dr. A. Rauhaus, der Mitglied des Gesangbuch-Ausschusses war und ein sehr gutes Gedächtnis hat. Vielleicht sollte die Verbundenheit mit dem Volk der Verheißung so unterstrichen werden.

Ich glaube, der Reimpsalm 61 B hätte es verdient, einmal von unserer Gemeinde geübt und gesungen zu werden. Denn mit diesem Psalm hat Edith Stein wohl auch ihren eigenen Lebensweg zu verarbeiten versucht. Der Psalm entstand 1936! Er findet sich auch im neuen katholischen „Gotteslob" unter der Nummer 439.

Die Melodie von Psalm 61 B ist dem großen Schatz der Genfer Melodien entnommen und stammt aus dem Jahr 1543.

Es ist ein Psalm voller Vertrauen zu Gott. Der Psalm beginnt mit der Bitte: Erhör, o Gott, mein Flehen, hab auf mein Beten acht. Aus „dunkler Nacht" ruft die Beterin zu Gott, der sie auf eines Felsen Höhe erheben soll. Wer Edith Steins Lebensweg kennt, der ahnt, was hier gemeint sein könnte. Auch in dunkler Nacht vertraut sie darauf, dass Gott ihr Leben „lenkt und leitet".

Und weil sie diese feste Zuversicht hat, weicht sie keinem Sturm. Denn bei Gott ist ihr nicht bang. „Mich hütet vor Gefahren dein schirmend Flügelpaar".

In Vers 3 wendet sich die Zuversicht in Gewissheit: „Mein Bitten hast erhöret, mein Gott, in Gnaden du". Wenn Edith Stein fortfährt: Schenke „langes Leben" dem, der sich dir geweiht, „wollst Jahr um Jahr ihm geben, ihn segnen allezeit", dann weiß ich nicht, was für sie von größerer Bedeutung war – das lange Leben oder der Segen zu aller Zeit.

Mit dem biblischen Beter steht Edith Stein vor Gottes Angesicht in Ewigkeit. Sie baut darauf: „Es wird ja nie zunichte des Herrn Barmherzigkeit". Diese Gewissheit schenke der Herr auch uns in unserem Leben.

 

Monatslied Mai 2017

EG 501: Wie lieblich ist der Maien

Hoffentlich macht der Monat Mai unserem schönen und fröhlichen Monatslied wirklich alle Ehre!
Der Text des Liedes ist von Martin Behm (1557-1622). Er war Lehrer und Pfarrer in Lauban, einem Ort, der östlich von Görlitz in Schlesien liegt. Lauban, sein Heimatort, war zur Zeit der Abfassung unseres Monatsliedes böhmisch; daher auch sein Name Behm. Er veröffentlichte 500 Predigten und eben so viele Reimgebete. In den Jahren 1604 und 1606 erschien in Wittenberg sein „Kirchenkalender" mit Predigten und Liedern zu jedem Monat. Bei unserem Monatslied handelt es sich um die sechste Predigt unter der Überschrift „Vom Mayen". Das Lied wird eingeleitet mit einer Naturbeschreibung. Danach folgt das Gotteslob in Strophe 2 und das Bittgebet in den Strophen 3 und 4. Die Natur wird – wie später noch ausgeprägter bei Paul Gerhardt – geistlich gedeutet.
Die fröhliche und bewegte Melodie stammt von Johann Steuerlein (1546-1613). Steuerlein war Stadtschreiber, Organist und Musiklehrer in Wasungen an der Werra. Später zog er um nach Meiningen und wurde dort Notar und Bürgermeister. Ihm wurde die Ehre zuteil, sich „kaiserlich gekrönter Dichter und Komponist" nennen zu dürfen. Die Melodie von EG 501 ist im Jahre 1575 in Erfurt entstanden. Sie hat einen volksliedhaften fröhlichen, ja tänzerischen Charakter,
der besonders gut zur ersten Strophe passt. Es wäre schön, wenn unsere Organisten das auch mit einem entsprechenden Tempo zum Ausdruck bringen könnten.
Steuerleins bewegte Melodie ist in „Hainhofers Lautenbüchern" von 1603 verbunden mit dem weltlichen Liebeslied „Mit Lieb bin ich umfangen,/Herzallerliebste mein;/Nach dir steht mein Verlangen,/ Möcht immer bei dir sein". Der Verfasser dieses Liedes ist leider unbekannt.

Monatslied April 2017

EG 669: Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen

Unser Monatslied ist eines der „Schlager“ der Friedensbewegung im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts gewesen. Dieses Monatslied weckt Erinnerungen. Den Text schrieb Kurt Rommel 1963 und die Melodie komponierte Paul Gerhard Walter im Jahre 1978.

Kurt Rommel (1926-2011) war Pastor in Friedrichshafen am Bodensee und später Jugendpfarrer in Stuttgart-Bad Cannstatt. Ab 1992 war er Redakteur in Stuttgart. Von ihm gibt es 9 Lieder im EG.

Paul Gerhard Walter (geb. 1947) war Kantor und Musiklehrer in Mannheim. Seit 1987 betätigte er sich als Komponist und Arrangeur und Produzent für Kinder- und Filmmusik in Schriesheim bei Heidelberg.

Unser Monatslied ist ein Mutmach-Lied. Da die erste und die letzte Strophe identisch sind, ist davon auszugehen, dass in diesen Strophen die Botschaft zu finden ist, die das Lied vermitteln will. „Brücken bauen“, das ist das Thema des Liedes. Dazu gehört der Mut, den ersten Schritt zu tun. Ich kann, darf und soll nicht auf andere warten. Die wichtige Aufgabe des Brückenbauens in unserer zerrissenen Zeit fängt bei mir an. Ich kann den ersten Schritt tun, weil Gott ihn schon getan hat. Ich darf seinen Brücken trauen. Aber dazu gehört auch immer die Bitte „und wenn ich gehe, geh du mit“. Ich kann, darf und soll auf Gott vertrauen in allem, was ich tue.

Die Strophen 2-4 führen diese Botschaft an einigen Brennpunkten unseres Lebens aus. Unser Leben und unsere Gesellschaft war und ist geprägt von Gräben, Zäunen und Mauern. Da fällt es mir im Vertrauen auf Gott zu, Brücken über Gräben zu bauen, über Zäune wenigstens zu schauen und über die Mauern zu gehen. Das heißt alles zu tun, was Trennungen überwindet.

Wo Menschen harte Fäuste ballen, soll und will ich versuchen, Hände zur Versöhnung auszustrecken. Nach Zeichen des Friedens will ich suchen. Zum fernen Mond will ich nicht gelangen. Aber die Tür des Menschen, der mir feindlich gesinnt ist, ist gleich nebenan. Und wie schwer fällt es oft, gerade diese Tür zu öffnen! Nein, ich will keinen Streit anfangen: „ob Friede wird liegt AUCH an mir!“ Den ersten Schritt zu tun, liegt auch an mir, die Hand zur Versöhnung auszustrecken liegt auch an mir, ebenso Gräben zuzuschütten; und Brücken zu bauen – liegt auch an mir! Gott hat ja in allem den ersten Schritt getan.

Monatslied März 2017

EG 341: Nun freut euch, lieben Christen g’mein

Unser Monatslied ist bis heute das klassische Reformationslied, in dem Luther alles zusammengefasst hat, was ihm lieb und wert und teuer geworden war nach seinem reformatorischen Durchbruch.
Der Text und die Melodie des Liedes sind von Martin Luther (1483-1546). Es hat sich sehr schnell als erstes Gemeindelied durchgesetzt. Es entstand 1523 im Anschluss an sein erstes Lied „Ein neues Lied wir fangen an" für zwei Märtyrer in Brüssel, die wegen ihrer Zugehörigkeit zur Reformation hingerichtet wurden. Diese ersten Lieder des Reformators wurden „Zeitungslieder" genannt, d.h. im Stil der berichtenden Volksballade verkündet ein Bote einem größeren Publikum eine wichtige Botschaft. Wie wichtig diese Botschaft war, zeigt der Inhalt der einzelnen Strophen, in denen Luther in einfacher und anschaulicher Sprache zusammenfasst, was seine reformatorische Erkenntnis war.
In der ersten Strophe fasst Luther den Inhalt des Liedes zusammen. Er will singen von dem, was Gott an uns gewendet hat und seiner süßen Wundertat in Jesus Christus. Er hat uns durch seinen Tod erlöst hat von Sünde, Tod und Teufel. Das ist für die christliche Gemeinde wahrhaftig ein Grund, vor lauter Freude zu springen und zu singen.
Was die süße Wundertat Gottes bedeutet, wird in den Strophen 6 und 7 ausgeführt. Diese beiden Strophen bilden den Mittelpunkt des Reformationsliedes.
Durch das gesamte Lied zieht sich die Angst vor dem Teufel, die sowohl Luther als auch seine Zeitgenossen zutiefst umgetrieben hat. Im Hintergrund steht die Frage, die Luther von Anfang an beschäftigt hat: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wer befreit mich und meine Zeitgenossen von der Angst vor Sünde, Hölle, Tod und Teufel? Die Lösung des Problems findet Luther für sich und andere in der Erkenntnis: „Da jammert Gott in Ewigkeit mein Elend übermaßen; er dacht an sein Barmherzigkeit, er wollt mir helfen lassen; er wandt zu mir sein Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz, er ließ's sein Bestes kosten" (Str. 4). Wenn ich das mit Lust und Liebe annehmen kann, dann habe ich allen Grund, vor Freude über die süße Wundertat Christi zu springen und zu singen (Str. 1).
Gott hat alles für mich getan – aus lauter Gnade, Liebe und Barmherzigkeit - das ist Grund zur Freude!

Monatslied Februar 2017

EG 678: Wir beten für den Frieden

 

Es ist gut, in der augenblicklich politisch sehr bewegten Zeit vom Frieden, von der Hoffnung und der Liebe zu singen.

Peter Spangenberg hat im Jahr 1989 ein Friedenslied geschaffen, das sehr bekannt geworden ist: Wir beten für den Frieden. Peter Spangenberg (geboren 1934 in Unseburg bei Magdeburg) war Schulpfarrer in Espelkamp, Pfarrer an der St. Nicolai in Bielefeld und ab 1979 Dozent an der Pädagogischen Hochschule Flensburg.

Die im EG 678 abgedruckte Melodie ist von Heinrich Schütz, die dieser 1628 komponierte. Heinrich Schütz (geboren 1585 in Köstritz bei Gera, gestorben 1672 in Dresden) war Hofkomponist in Kassel und später Kapellmeister in Dresden. Er war ein einflussreicher und großartiger Komponist. Für das Gesangbuch ist er wichtig durch die Vertonung des Liedpsalters von Cornelius Becker. Dieser Becker–Schütz–Liedpsalter ist das lutherische Gegenstück zum reformierten Genfer Psalter.

Unser Friedenslied können wir auch nach der bekannten Melodie von EG 361: „Befiehl du deine Wege“ singen.

Die ersten drei Strophen des Monatsliedes entfalten, was es heißt, für den Frieden und die Welt zu beten. In das Gebet sind die eingeschlossen, die keine Hoffnung mehr hält, sind eingeschlossen die Leisen, für die kein Wort sich regt.

Für den Frieden und die Welt zu beten heißt auch, für das Leben hoffen, hoffen für die, die nicht erleben, dass Menschlichkeit befreit. Die Zarten und die mit dünner Haut sind in das Gebet mit eingeschlossen.

Die dritte Strophe singt für die Liebe und den Mut, den wir brauchen, wenn unsere Hand tun soll, was Gewissen und Verstand uns sagen.

Beten (Str. 1), Hoffen (Str. 2) und Singen (Str. 3) - das ist unsere Aufgabe in der Welt und für die Welt. Aber da ist auch eine gute Botschaft jeweils in der letzten Zeile der Strophe: wir dürfen zusagen, dass Gottes Hand die Müden und die Leisen trägt. Die Zarten und die mit dünner Haut, die sollen und dürfen wissen, dass Gott sie unterbaut. Uns selbst ermahnen und ermutigen wir, dass unser Tun und Reden das besiegelt, was unser Herr gewagt hat.

Die vierte Strophe fasst das zusammen, was die drei ersten Strophen entfaltet haben. Jetzt geht das Lied über in ein gesungenes Gebet und wendet sich direkt an Gott: Nun nimm, Herr, unser Singen in deine gute Hut und füge, was wir bringen, zu Hoffnung und zu Mut. In der letzten Zeile der vierten Strophe wird das Ziel des ganzen Liedes deutlich: Hilf uns, die Welt [durch Beten, Hoffen und Singen] zu bauen zu deinem Reiche hin.

Monatslied Januar 2017

EG 70; Wie schön leuchtet der Morgenstern

Das Monatslied ist eine innige Liebeserklärung an Jesus Christus, den schön leuchtenden Morgenstern.
Das Morgensternlied dichtete und komponierte wohl in Unna (Westfalen) Philipp Nicolai (1556 – 1608). Nicolai war Pfarrer in Herdecke an der Ruhr, wurde von spanischen Söldnern vertrieben, war Pfarrer der lutherischen Untergrundgemeinde in Köln und ab 1558 Hofprediger und Erzieher des Grafen Wilhelm Ernst von Waldeck. Sein Zögling starb leider schon mit 15 Jahren an der Ruhr. Nach der Pest in Unna schrieb er den „Freudenspiegel des ewigen Lebens“. Während der Pest hatte Ph. Nicolai bis zu 30 Tote täglich zu beerdigen. Ph. Nicolai ist in Unna gestorben.
In seinem Trostbuch „Freudenspiegel des ewigen Lebens“ findet sich auch unser Monatslied. Das Monatslied trägt bei seiner Veröffentlichung den Titel: Ein geistlich Brautlied der gläubigen Seele, von Jesu Christo, ihrem himmlischen Bräutigam: Gestellt über den 45. Psalm des Propheten Davids“. So grob Ph. Nicolai seine theologischen Gegner auch beschimpfen konnte, so zartfühlend konnte er seine innige Liebe zu Christus bekunden, wie in diesem Lied deutlich wird.
Die im Lied verwendeten Bilder entstammen der Heiligen Schrift(besonders den Psalmen, dem Hohen Lied und der Offenbarung) aber auch der mittelalterlichen Brautmystik.  Christus wird als leuchtender Morgenstern (wie in Offb. 1,16 auch 2 Petrus 1,19) und endzeitlicher Bräutigam (Mt. 22,1-14) beschrieben. Für uns ist diese überbordende Fülle von Bildern nur noch schwer erträglich.
Das Lied hat vielfältige Verwendung gefunden. Johann Sebastian Bach hat 1731 dem Lied einen wunderschönen Satz gegeben.
Bei Karl Christian Thust „Die Lieder des Evangelischen Gesangbuchs“ Bd I, 2012, S.119 fand ich folgendes Zitat: „Einerseits kann das Lied nicht mehr in seiner Originalfassung gesungen werden (zu intim und mystisch erotisch, zu barock und überladen, zu alt). Andererseits sind sich alle darüber einig, dass das Lied unverzichtbar ist. Nach wie vor gehört die „Königin der Choräle“ zu den bekanntesten, beliebtesten und bedeutendsten Kirchenliedern“.

Monatslied Dezember 2016

EG 579: Freuet euch im Herrn!

Unser Monatslied ist eines von den wunderbaren und eingängigen Taizé – Liedern, in dem ermutigend zur Weihnachtsfreude aufgerufen wird.

Als Gründungsdatum der Communauté de Taizé gilt das Jahr 1949. Am Osterfest legten sieben Brüder die klassischen Mönchsgelübde ab: Armut, Keuschheit, Gehorsam. So wollten sechs Brüder um Roger Schutz ganz dem Auferstandenen zur Verfügung stehen. Der erste protestantische Männerorden war damit gegründet.

Die Lieder aus Taizé haben angefangen mit dem Kanon von Michael Praetorius „Cantate domino". Der Bruder Robert Giscard (1923-1993), der in Taizé für die musikalisch-liturgische Gestaltung der Gottesdienste und der großen Jugendtreffen zuständig war, machte die Entdeckung, dass mit Hilfe eines solchen lateinischen Kanons auch sehr große Gruppen mit verschiedenen Sprachen zum Singen gebracht werden konnten. Die Grundidee des Kanons baute er mit seinem Freund Jaques Berthier zu den Taizé-Liedern aus. Jaques Berthier (1923-1994) hat fast alle Taizé-Gesänge geschrieben. In unserm EG stehen 12, im katholischen Neuen Gotteslob stehen 19 Taizé- Lieder.

Die Taizé-Lieder wurden zunächst alle – wegen der Sprachenvielfalt der Sänger - in lateinischer Sprache gesungen. Die Texte der Lieder waren sehr kurz und ließen sich schnell lernen. Meistens hatten sie einen wesentlichen biblischen Gedanken – oft aus den Psalmen –zum Inhalt. Unserem Monatslied liegt Psalm 33,1 zugrunde: „Freuet euch des Herrn, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen" (Neue Lutherbibel aus dem Jahr 2016). Die kurzen Texte und die bewusst einfach und einladend komponierten Melodien machten ein Mitsingen sehr schnell möglich. Die häufigen Wiederholungen der Gesänge ermöglichen jederzeit einen Einstieg oder einen Ausstieg.

Jeder Taizé-Gesang lebt davon, dass sich die Singenden mit Hilfe dieser „musikalischen Kleinform" konzentrieren können auf Gebet und Meditation, auf Frieden und innere Stärkung. Alle Taizé-Lieder haben diesen dienenden Charakter.

Monatslied November 2016

EG 675: “Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn“

Unser Monatslied ist ein gesungenes Gebet mit revolutionärem Inhalt. Das Lied ist eine eindringliche Bitte an Gott, dass sein Reich komme.

Der Text ist von der Spanierin Maria Pilar Figuera Lopez. Sie ist 1939 in Cadiz geboren. Studiert hat sie Theologie und Psychologie in Madrid. Sie ist wohl der Befreiungstheologie zuzurechnen, die mit dem Evangelium für bessere menschliche Verhältnisse stritt. Der ursprünglich spanische Text wurde von Diethard Zils und Christoph Lehmann im Jahre 1983 ins Deutsche übertragen.

Die Melodie des Monatsliedes komponierte Cristobal Halffter im Jahre 1965. Cristobal Halffter (geb. 1930 in Madrid) wurde als Dirigent bekannt. Im Jahr 1970 schrieb er im Auftrag der Vereinten Nationen die sogenannte Menschenrechtskantate: „Yes, speak out, yes“.

In den vier Strophen des Liedes steht das Reich Gottes ganz im Mittelpunkt. Das Reich Gottes ist Klarheit und Frieden, Licht und Liebe, Leben in Wahrheit und Recht. Nach all dem sehnen sich die Sänger des Liedes. Denn jetzt geht ihr Weg noch durch Leid und Entbehrung. Zwar lebt und geschieht Gottes Reich unter uns. Aber wir sehen von all dem, was das Reich Gottes ausmacht, lediglich und bestenfalls den Anfang. Darum zwanzigmal die Bitte um das Reich Gottes, das sich im Gehen des Weges der Gerechtigkeit heute schon anfängt zu verwirklichen und einmal endlos und vollkommen von Gott vollendet wird. Darum unsere Bitte: „Dein Reich komme“.

Monatslied Oktober 2016

Psalm 8: Herr, unser Gott, dein Name sei gepriesen!

In der Lutherbibel hat der Psalm die Überschrift: „Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen“. Angesichts des unendlichen Sternenhimmels fragt sich der Beter: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“

In den Gesangbuchpsalmen, dem Reimpsalter, sind die biblischen Psalmen in Reim und Ton gebracht. Die Melodie zu unserem Psalm 8 stammt noch aus der Tradition des Genfer oder Hugenottenpsalters, der 1562 als ganzer vorlag. Reimpsalm 8 hat eine typische Psalmenmelodie: Nur halbe und viertel Noten. Am Ende der Zeile eine halbe Note und eine halbe Pause. Das sollte so sein, weil die Sänger am Ende jeder Zeile Zeit haben sollten, über das Gesungene nachzudenken. Die erste Zeile der jeweiligen Strophe beginnt mit fünf halben Noten, die eine ganze Oktave umspannen: „Herr, unser Gott, dein Name sei gepriesen!“

Die Melodien zu den Reimpsalmen sind über die Jahrhunderte gleich geblieben. Die Texte mussten aber immer wieder neu bereimt werden, da veralterte Ausdrücke nicht mehr verstanden oder als unschön empfunden wurden.

In den 1990er Jahren wurden die Reimpsalmtexte wieder neu bearbeitet. Neben vielen anderen Psalmen hat Alfred Rauhaus, geb. 1945 in Langendorf (Tschech.), auch unser Monatslied neu bereimt. Alfred Rauhaus war Pfarrer in Ditzumerverlaat und in Weener. Ab 1991 war er Theologischer Rat unserer Landeskirche. Mit seiner Neubereimung von Psalm 8 aus dem Jahr 1991 ist ihm ein guter theologischer Wurf gelungen. Dabei hat A. Rauhaus der „ganzen Welt“ und „des Himmels Glanz“ einen Verkündigungsauftrag zugewiesen. Dass wir Menschen zusammen mit Gott „des Lebens Hüter“ sein dürfen und sein sollen, ist eine große und fordernde Aufgabe.

Monatslied September 2016

EG 457: Der Tag ist seiner Höhe nah

Unser Monatslied gehört zu den Tageszeitenliedern. Es bedenkt den Mittag und die Bitte um das tägliche Brot. Es gibt nur neun Lieder im EG, die diese Tageszeit bedenken.

Den Text verfasste Jochen Klepper (1903-1942) in der Nacht vom 4. zum 5. Juni 1938, der Nacht vor dem Pfingstsonntag, als Geschenk für seine Frau, die er mit dem Lied am Morgen des Pfingstsonntags überraschte. Im selben Jahr veröffentlichte er diesen Text in seiner Gedichtsammlung „Kyrie“ zusammen mit 7 anderen Liedern, die sich auch im EG finden. Als Überschrift zu EG 457 findet sich bei Klepper nur das Wort „Mittagslied“.

Die Melodie des Liedes ist von Fritz Werner (1898 – 1977). Er hat als Kirchenmusiker in Babelsberg, Potsdam und Heilbronn/Neckar (wo er zum Professor ernannt wurde) viele kirchenmusikalische Chor- und Instrumentalwerke komponiert. Fritz Werner hat sehr eng mit Jochen Klepper kooperiert und vertonte unter anderem dessen 29 Lieder. Am 28. November 1938 sielte Fritz Werner 12 Melodien vor, unter denen sich auch unser Monatslied befand. Klepper beurteilte alle Melodien, die Werner ihm vorspielte, als „völlig dem vorhandenen Text angepasst“.

Unser Monatslied wird selten gesungen, da die Gemeindegottesdienste in der Regel nicht zur Mittagszeit stattfinden und häusliche Andachten zum Mittagessen so gut wie ausgestorben sind.

Die Strophen 1–3 und 11f können als Mittagslied gesungen werden. Die Strophen 4-10 sind ein wunderbares Segenslied, das mit der zusammenfassenden Strophe 11 als selbständiges Segenslied gesungen werden kann. Die Strophen 4-7 eignen sich auch ganz wunderbar als Geburtstags-, Hochzeits- und Jubiläumsgruß.

Monatslied August 2016

EG 291: Ich will dir danken, Herr, unter den Völkern

Unser Monatslied ist eines der zahlreichen Belege dafür, dass die musikalische Arbeit am Psalter nicht aufhört. Das Lied ist eine Neuvertonung von Psalm 108. Paul Ernst Ruppel hat aus dem Bibelpsalm nur die Verse 4-6 für seine Neufassung ausgewählt. Leider hat er die wunderbaren Verse 2+3 nicht einbezogen. Psalm 108, 2+3 lauten in der Bibel: „Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen. Wach auf, meine Seele! Wach auf, Psalter und Harfe! Ich will das Morgenrot wecken“. Was für ein wunderbares Morgenlied! Diese neuartige Melodie für einen Psalm hat Paul Ernst Ruppel (1913 – 2006) im Jahr 1964 geschrieben, als Vertonung eines Monatsspruchs. Ruppel bekennt von sich, dass die Psalmen ihn am stärksten geprägt haben. Er war Singwart des Christlichen Sängerbundes und Komponist zahlreicher Lieder und Kanons. Er war ein Meister der kleinen Form. Unser Monatslied gibt Psalm 108,4-6 in der Luther-Übersetzung von 1956/64 wieder. Die Melodie zeigt mit ihren synkopischen Jazz-Elementen deutlich die Merkmale der Aufbruchsphase des „Neuen geistlichen Liedes“ am Anfang der 1960er Jahre. Das Monatslied ist auch ein Zeugnis der neuen Wertschätzung des psalmischen, altkirchlichen Wechselgesangs mit seiner bewussten Kürze und Schlichtheit. Der Kehrvers (Psalm 108,4) ist eine Willensbekundung, Gott vor aller Welt mit Lobgesang Dank zu sagen. Damit ist inhaltlich und melodisch das Thema für das Monatslied vorgegeben. Vers 1 begründet Dank und Lob mit der grenzenlosen Gnade und Wahrheit Gottes. Vers 2 fordert Gott, den Herrn, auf, seine Ehre und seine Herrlichkeit über den Himmel und alle Lande zu erheben. Der 3. Vers beschließt nach altkirchlichem Brauch den Psalm mit der Anrufung des dreieinigen Gottes und macht damit aus dem alttestamentlichen einen christlichen Psalm. Das wäre für den Genfer Psalter nicht möglich gewesen.

Monatslied Juli 2016

EG 444: Die güldene Sonne bringt Freude und Wonne

Die Kopfzeile unseres Monatsliedes hat wahrscheinlich Paul Gerhardt zu seinem fast gleich beginnendem Morgenlied EG 449 angeregt.

Unser Monatslied veröffentlichte Philipp von Zesen im Jahre 1641. Paul Gerhardt dichtete sein Morgenlied EG 449 „Die güldne Sonne" 25 Jahre später. Philipp von Zesen (1619 – 1689) arbeitete als geadelter Übersetzer, Schriftsteller und barocker Dichter vor allem in den Niederlanden und in Hamburg. Unser Monatslied ist das einzige Lied von Philipp von Zesen im EG.

Die Melodie komponierte Johann Georg Ahle (1651 – 1706). Seine ersten Werke veröffentlichte er in Mühlhausen. Dort war Ahle Ratsherr und unmittelbarer Nachfolger von Bach. Ahle wurde als Dichter und Sänger kaiserlich ausgezeichnet. Er schrieb viele fröhlich bewegte Morgenlieder.

Wie sehr viele Morgenlieder beginnt auch dieses mit einer Beschreibung der morgendlichen Situation. In vier Stufen wird der Sonnenaufgang beschrieben (Str. 1). Dann lobt und dankt der Dichter und mit ihm der Sänger Gott für den Schutz in der vergangenen Nacht (Str. 2+3), vertraut sich ihm an und bittet um seine hilfreiche Lebensbegleitung (Str. 4+5). Bemerkenswert ist, das Philipp von Zesen auch für sein „Studieren" um Gottes Führung und um Schärfung seiner Sinne bittet.

Das Lied eignet sich gut für eine morgendliche Hausandacht. Mit Ahles Melodie und von Zesens Text beginnend, dichtet ein studentisches Gesangbuch weiter „mit Duft von Kaffee" „und leckeren Wecken mit Apfelgelee". So kann der Tag wirklich getrost und froh mit Gott und frischen Brötchen beginnen.

E.-H.P.

Monatslied Juni 2016

EG 364: Was mein Gott will, gescheh allzeit

Das Monatslied für Juni gehörte früher zum Kernbestand der Kirchenlieder, die von der Gemeinde oft und gerne gesungen wurden.

Der Text des Liedes stammt von dem gottesfürchtigen Herzog Albrecht von Preußen (1490 – 1568). Er war der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, wandelte Ordensland in ein weltliches Herzogtum um und führte dort die Reformation ein. Sein Wahlspruch war: „Vertraue Gott allein". Diese Selbstermutigung hatte er bitter nötig: In kurzer Zeit verstarb seine Frau, mehrere Kinder starben, über ihn wurde die Reichsacht verhängt und der polnische König entmachtete Albrecht von Preußen in besonders demütigender Weise. Es brauchte lange Zeit, bis er sagen konnte: „Was mein Gott will, gescheh allzeit, sein Will, der ist der beste".

De Melodie des Monatsliedes ist von dem Franzosen Claudin de Sermisy. Er war Priester und angesehener Hofkapellmeister in Paris und komponierte viele Lieder, Messen und Motetten. Die ursprünglich weltliche Melodie wurde 1540 in Antwerpen mit einem geistlichen und 1572 in Erfurt mit dem vorliegenden Text verbunden.

Das Monatslied ist ein Vertrauenslied; im Mittelpunkt steht der Wille Gottes: Gottes Wille ist der beste. Denn der treue Gott gibt Trost, Zuversicht, Hoffnung und Leben dem, der an ihn glaubt. So beugt sich aus guter Erfahrung der Wille des Menschen unter Gottes Willen. Denn der treue Gott hat „Sünd, Höll und Tod" überwunden. Wer das vertrauensvoll glaubt, der kann auch am Ende seines Lebens ein „fröhlich Amen" zu Gottes gutem Willen sprechen.

Monatslied April 2016

EG 228: Er ist das Brot, er ist der Wein

Dieses neuere Abendmahlslied hat einen ermutigenden Inhalt und eine Melodie, die von der ganzen Gemeinde leicht und schnell nachgesungen werden kann.

Die einfache, eher konservative Melodie des Monatsliedes stammt von Joachim Schwarz (1930-1980). Schwarz war Landesjugendkantor und Kirchenmusikdirektor in Plön. Auf Kirchentagen war er oft Singleiter. Er komponierte zahlreiche neue geistliche Lieder, darunter auch unser Monatslied.

Den Text unseres Abendmahlsliedes verfasste Eckart Brücken (*1943). Er war Diakon und Bildungsreferent in Düsseldorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Musik" der Evangelischen Jugend. Er organisierte Beatmessen und Abendmahlsfeiern in neuer Gestalt für Kirchentage. Im Jahr 1980 schuf er unser Abendmahlslied für ein liturgisches Fest.

Die Strophen des Liedes sind streng symmetrisch aufgebaut. Sie beginnen alle mit: „Er ist das Brot, er ist der Wein". Mit „er" ist Christus gemeint. Als Sprachmuster dient dem ganzen Lied das Wort des Engels an Elia der voll Angst auf der Flucht vor Königin Isebel ist: „Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir" (1.Könige 19,7). Diese Kernbotschaft wird in Anlehnung an einen Abendmahlsgottesdienst in Dreierschritten entfaltet: Predigt: steht auf und esst, der Weg ist weit. Es schütze euch der Herr. Abendmahlsfeier: kommt, schmeckt und seht, die Not ist groß. Es stärke euch der Herr. Entlassungssegen: steht auf und geht, die Hoffnung wächst. Es segne euch der Herr.

Monatslied März 2016

EG 182: Halleluja. Suchet zuerst Gottes Reich.

Da die Melodie sehr schlicht und der Text sehr eingängig ist, wird unser Monatslied auch und gerade von Jugendlichen gerne gesungen.

Nachdem der Bibelspruch „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes" (Matthäus 6,33) der Sängerin Karen Lafferty (geb. 1948) in einer Lebenskrise entscheidend weiterhalf, schrieb die evangelistische amerikanische Sängerin und Musikpädagogin dieses Lied als Dank für die erfahrene Hilfe. Im Jahr 1972 erschien das Lied einschließlich Melodie und Halleluja. Nach einem großen Erfolg bei einem Jugendgottesdienst in Südkalifornien verbreitete es sich durch die „Jesus people" sehr rasch in alle Welt. Vielfach wurde es übertragen und ergänzt. Mindestens 25 deutschsprachige Strophen sind bekannt. In Deutschland wurde das Lied durch den Evangelischen Kirchentag 1987 in Frankfurt am Main bekannt.

Die vorliegende EG-Fassung fügt dem Lied als erste Strophe die reine Halleluja-Strophe hinzu. Der Freiburger Pfarrer Gerhard Hofer (geboren 1926) fügte die letzten drei auf die drei großen Feste des Kirchenjahres bezogenen Verse hinzu.

Bereits 1974 wurde das Lied bei der Eröffnung des „Konzils der Jugend" in Taizé gesungen. Seitdem gilt es fälschlicherweise auch als das „Taizé-Halleluja".

Strophe 1 beginnt das Lied mit einem vielfachen Lobpreis Gottes: „Halleluja" („Lobet Jahwe"). Zweimal finden wir auch die Kurzform „Hallelu" („Lobet!"). Die Strophen 2 und 3 fußen auf Texten aus der Bergpredigt und nehmen uns in Pflicht zu suchen, zu beten und anzuklopfen, um das Reich Gottes zu finden. Ab Strophe 4 beginnen die großen Zusagen und Verheißungen des Liedes. Als Widerschein des Lichtes Gottes können wir anderen den Weg zu Gott zeigen. Denn wir sind das Volk, das der Herr sich ausersehen, erwählt hat. Durch ihn werden wir wie Körner zu einem Brot zusammengefügt. Mit den Worten „Erwählung" und „Brot" wird an Taufe und Abendmahl erinnert.

Die letzten drei Strophen (7-9) beginnen jeweils mit der Aufforderung „Freut euch, ihr Christen". Gott gibt die Welt nicht verloren (Weihnachten), Not, Angst und Tod kann uns nicht besiegen (Ostern), Gott sagt uns zu, das wir nicht im Dunkel treiben: Wahrheit und Licht, Kraft und Liebe sind uns versprochen (Pfingsten).

E.-H.P.

Monatslied Januar 2016

EG 263: Sonne der Gerechtigkeit

Dass viele Köche den Brei verderben, muss nicht immer richtig sein. Schauen Sie sich bitte unter dem Lied die längste mir bekannte Aufzählung von Dichtern und Komponisten an, die sich unter einem Gesangbuchlied findet. Und doch ist das Lied „Sonne der Gerechtigkeit" das bekannteste Lied aus dem Bereich Ökumene.

Die Melodie – ursprünglich zu einem weltlichen Lied - stammt aus dem 15. Jahrhundert und erscheint 1566 mit einem geistlichen Text im Gesangbuch der Böhmischen Brüder. Dann geriet diese schöne Melodie jahrhundertelang in Vergessenheit, bis sie von Otto Riethmüller (1889 – 1938) wiederentdeckt, mit einem neuen geistlichen Text versehen und 1932 veröffentlicht wurde. Die Melodie passt mit ihrer aufrüttelnden Lebendigkeit und ihrem kraftvollen Schwung gut zu dem heutigen Text. Sie beginnt mit einem fanfarenartigen Weckruf durch vier wuchtige halbe Noten und schwingt sich in zwei großen Tonschritten auf zur oberen Oktave und steigt von da langsam wieder ab bis zum Ende der Strophe.

Mit dem Text ist Otto Riethmüller das Kunststück gelungen, aus drei Chorälen des 18. und 19. Jahrhunderts dieses sehr einheitlich wirkende Lied zu schaffen, das dann 1973 durch die „Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut" seine ökumenische Fassung erhielt, die im EG unter der Nummer 262 zu finden ist. Die ökumenische Fassung hat in den Strophen 2,5,6 und 7 Abänderungen zu dem uns vertrauten Text erfahren, die aber rein sprachlicher Art sind.

Otto Riethmüllers Lied ist ein gesungenes Gebet. Es beginnt mit der Anrede an Christus als „Sonne der Gerechtigkeit" und endet mit dem Lobpreis des dreieinigen Gottes. In jeder Strophe kommen mehr oder weniger deutlich die Kernbegriffe des Liedes vor: Gerechtigkeit, Christenheit, Zertrennung, Kraft, Mut und Herrlichkeit.

Im Jahre 1989 war das Lied fester Bestandteil der Leipziger Montagsgebete. Denn im Lied kommt das zur Sprache, was auch den Demonstranten 1989 wichtig war: Aufbruch, Einheit, Glaubensernst, Eifer im Handeln. Die Sprachform ist kurz, verständlich, kraftvoll, ehrlich, engagiert und konkret. Darum lässt sich das Lied auch vielfältig verwenden, besonders in den Themenbereichen Kirche, Pfingsten, Reformation, Ökumene, Mission. Der Bereich Glaube-Liebe-Hoffnung trägt das gesamte Gebetslied. E.H.P.

Monatslied Dezember 2015

EG 39: Kommt und lasst uns Christus ehren

Mit seinem fröhlichen Ernst, seinem Glaubensbekenntnis und Jubel, seiner eingängigen und beschwingten Melodie ist Paul Gerhardts Quempas – Neudichtung ein beliebtes und gerne gesungenes Weihnachtslied.

Unser Monatslied übernimmt die Melodie von EG 29 „Den die Hirten lobeten sehre", (lateinisch: Quem pastores laudavere) die Valentin Triller 1555 in seinem „Schlesisch singebüchlein" veröffentlicht.

Der „Quempas" bezieht seinen Namen aus dem lateinischen Ursprungslied „Quem pastores laudavere". Aus dem lateinischen und deutschen Text entwickelten sich Mischlieder mit deutsch-lateinischen Versen (vgl. EG 35). Diese Verse wurden in der Kirche als eine Art Hirtenspiel aufgeführt. Das Besondere am Quempas sind weniger Text und Melodie als vielmehr Form und vor allem über Jahrhunderte geübtes Brauchtum. Der erste Bericht über das Quempassingen stammt aus Dessau um 1545.

Nach der Christmette um 5 Uhr morgens zogen die Chorknaben mit Lichtern und Fackeln in die Kirche ein, zum Zeichen, dass mit Jesu Geburt das Licht der Welt erschienen sei. Im Gottesdienst wurden viele Lieder gesungen von vier Orten in der Kirche für die vier Himmelsrichtungen. Das Singen endete mit dem Gesang der ganzen Gemeinde.

Über Paul Gerhardt (1607 – 1676) brauche ich an dieser Stelle nicht viel zu sein. Seine Quempas-Umdichtung in Lied EG 39 hat drei Teile:

I. Aufforderung und Ermunterung an das ganze Volk der Christenheit, Christus zu loben (Vers 1 und 2). II. Eine Glaubensbetrachtung der Geburt Jesu, der uns in die Himmelsfreude heben will. Seine Seele ist uns gewogen, während Satanas uns nur betrogen hat (Vers 3 – 5). III. Und zum Schluss kommt – wie fast immer bei Paul Gerhardt – die Anbetung und der endzeitliche Jubel, in den die Engel mit einstimmen (Vers 6 und 7).

Schwierig zu verstehen ist Vers vier mit „Jakobs Stern" und dem „Kopf der alten Schlange", der zerbrochen wird. „Jakobs Stern" spielt in der Bileamsgeschichte eine wichtige Rolle (4. Mose 24,17) und wurde gedeutet auf Christus hin. Der Kopf der alten Schlange, der zertreten wird, spielt an auf die Zusage in 1. Mose 3,14. Der, der der Schlange den Kopf zertritt, wurde als Ankündigung Jesu Christi, des Sohnes Gottes verstanden.

Quelle K. Chr. Tust, Die Lieder im Evangelischen Gesangbuch. Kassel 2012

E.-H. Prinz

Monatslied November 2015

EG 369: Wer nur den Lieben Gott lässt walten

Unser Monatslied für November ist in seinen besten Strophen eines der bekanntesten Vertrauenslieder unseres Gesangbuchs.

Sowohl der Text als auch die Melodie des Liedes sind von Georg Neumark und sind 1641 entstanden. Georg Neumark, geboren 1621 in Langensalza (Thüringen) und gestorben 1681 in Weimar, war Dichter und Komponist von protestantischen Kirchenliedern. Sein bekanntestes Lied ist wohl unser Monatslied EG 369 „Wer nur den lieben Gott lässt walten". Ein erheblicher Teil seines Lebens war überschattet vom 30-jährigen Krieg (1618-1648).

Nach der Schulzeit begann er 1640 an der Universität in Königsberg Jura zu studieren. Bedingt durch die Kriegswirren verschlug es ihn nach Kiel, wo er sich mit einer Hauslehrerstelle „durchschlug". Erst drei Jahre später konnte er nach Königsberg zurückkehren, wo er sich jetzt neben dem Jurastudium immer mehr der Musik zuwandte. Nach dem Studienabschluss ging er als Jurist erst nach Danzig und später dann in seine Heimat Thüringen zurück.

Der Herzog von Sachsen-Weimar machte ihn zum Bibliothekar und nahm ihn in die „Fruchtbringende Gesellschaft" auf. Diese Gesellschaft war die größte und bedeutendste Sprachakademie in Deutschland und widmete sich der Pflege der deutschen Sprache in Dichtung und Wissenschaft. Es war eine hohe Ehre, vom Herzog in diese Gesellschaft aufgenommen zu werden.

Georg Neumark hat das Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten" noch während des 30-jährigen Krieges gedichtet. Ihm ist damit ein Lied gelungen, das viele Angefochtene getröstet hat. Besonders die 1., die 2. und die 7. Strophe fassen das in Worte, was Menschen in Kreuz und Leid sich erhoffen und erbitten. Bei wie vielen Beerdigungen mögen diese Strophen wohl schon gesungen worden sein?

Aber nicht alle Strophen haben dieses Niveau. Zu den Strophen 3-6 wäre viel Kritisches zu sagen. Ich glaube nicht, dass sich hier Menschen besonders angesprochen fühlen. In sich selbst vergnügt sein (Str.3), das gelingt nicht vielen. Und dass Gott mit den rechten Freudenstunden nur die belohnt, die von ihm als treu befunden werden (Str.4), wäre traurig. Dass die Zukunft unsicher ist und dass der große Wundermann bald stürzen, bald erheben kann (Str.5+6) sind Allerweltsweisheiten, die in der Drangsalshitze nicht wirklich durchtragen. Am meisten vermisse ich aber einen Bezug auf Jesus Christus.

E.-H. Prinz